Simultan

Eine Delegation aus dem tschechischen Liberec besuchte kürzlich Uzwil. Sie wollten wissen, wie Raumplanung hier so funktioniert. Der Kanton vermittelte diesen Kontakt. Das ehrt. Er zeigt ja wohl keine schlechten Beispiele.

Raumentwicklung ist ein langsamer Prozess. Das wird noch mehr bewusst, wenn man ihn Dritten beschreibt. Der Ursprung der jetzigen Planung liegt 10 Jahre zurück, an einer Veranstaltung mit über 200 Personen. Aus dem Ergebnis wurden Visionen für das Jahr 2040 formuliert und von einem 40-köpfigen Beirat verabschiedet. Die Umsetzung läuft in Schritten, etwa in der Revision des Zonenplans und des Baureglements im Jahr 2014. Die Zentrumsentwicklungen gehören dazu, angefangen vom kleinen Lindenplatz zum grossen Benninger Areal. Man braucht ein robustes Gesamtbild, sonst bringt man die Puzzle-Teile nie zusammen.

Beeindruckt hat am Austausch mit den Tschechen der Dolmetscher. Ungewöhnlich, dass jemand einem die Sätze aus dem Mund nimmt und sie live übersetzt – nonstop, in beide Richtungen. Erkenntnis: Es gibt nicht nur sprachliche Barrieren. Auch Raumplanung muss übersetzt werden.

Doppelt

Die Kreuzbleiche-Turnhalle in St.Gallen wurde 1987 international ausgezeichnet. Heute genügt sie dem Schweizerischen Handballverband nicht mehr. Zuviel Turnhalle und zu wenig Restaurant für die Sponsoren.

Über die Macht der Sportverbände sollte man nachdenken. Der Fussballverband und auch der Hockeyverband sind nicht besser. In den Richtlinien für die Erstellung von Fussballanlagen liest man von Spielfeldgrössen, wieviel Licht in jeder Ecke eines Sportfelds nötig ist, ok. Man liest aber auch von Sauna und Office für Sponsoren. Ab der ersten Liga braucht es gesicherte Zugänge zum Spielfeld. Der Schiedsricher soll unversehrt wieder nach Hause kommen. Klar: Es braucht die Verbände, weil nicht jeder die Spielregeln selbst erfinden kann und der ganze Spielbetrieb organisiert sein muss.

Allerdings: wer zahlt die Infrastruktur? Die Öffentlichkeit. Dafür die Gesellschaft von den Verbänden eine Gegenleistung erwarten. Beispielsweise, dass sie direkt auf die Stars als Vorbilder einwirken.  Die Gesellschaft braucht beispielsweise keine Leute, die keine (Schiedsrichter-)Entscheide akzeptieren können und ihre Anspruchshaltung maximieren. Das schadet der lokalen Vereinsarbeit – und ärgert deshalb doppelt.

Entdeckung

Montag Abend, Bürgerversammlung. Ein Flügel steht auf der Bühne. Hanspeter Nadler nimmt Platz, beginnt zu spielen. Die Menschen treffen langsam im Gemeindesaal ein. Dort sind Leo Rimensberger’s Werke ausgestellt, Bilder eines Uzwiler Künstlers, der mit 32 Jahren freiwillig aus dem Leben schied. Die Musik klingt aus, die Versammlung beginnt um 20 Uhr.

Später lese ich zufällig Hanspeter Nadler‘s Gedanken zur Wahl seiner Musikstücke. Wow, er hat seine Musikstücke sorgfältig ausgewählt, wollte den Gesamteindruck von Rimensbergers Bildern musikalisch beschreiben: A Wither shade of pale, dann in Bridge over troubled water «When you weary, feeling small, I’m on your side», kontrastiert mit dem Lebensmut des Boogie Woogie, zum Schluss «I did it my way».

Stimmt, ja, passt. Manchmal steckt mehr hinter den Dingen. Wenn man mit sich selbst zu beschäftigt ist, fehlt der Überblick. Oft genau dann, wenn man ihn besonders haben wollte. Eine schöne Entdeckung?

Think Tank

Auf einer grünen Wiese bauen ist relativ einfach. Ist das Grundstück schon überbaut und soll der Betrieb unterbruchsfrei weiter laufen, wird es schwieriger. Geht es um eine Denkfabrik, einen Think Tank, ist die Herausforderung noch grösser. Die Standort-Konkurrenz ist gross.
Bühler baut in Uzwil einen solchen Innovations-Campus mitten auf dem bestehenden Betriebsgelände, pflanzt quasi ein Herz unter besonders schwierigen Bedingungen ein. Dieser Entscheid freut! Es braucht nicht viel Phantasie, dass jede Stadt auf der Welt sich genau ein solches Innovationszentrum mit dieser Strahlkraft wünschte. 

Bei aller Distanz zwischen Staat und Wirtschaft: ein öffentliches Dankeschön dem Konzern und der Familie Bühler für diese Investition in den Standort Uzwil! Und ganz besonders den Menschen, die hier arbeiten. Mit ihrer Kompetenz, ihren Ideen und ihrer Leistungsbereitschaft legen sie das Fundament für solch wegweisenden Investitionsentscheide. 

Drehbuch

Wie funktioniert ein Film? Er startet meist mitten im Leben. Man lernt die Protagonisten kennen. Der künftige Held bekommt eine schwierige Aufgabe. Er zweifelt und lehnt sie ab. Der Mentor tritt auf. Der künftige Held bekommt Hilfe und wird geprüft. Er besteht, ist jetzt ermutigt. Er nimmt die Aufgabe an. Alsbald gibt es kein Zurück, der Held muss da durch. Markante Figuren, lustige, schräge, traurige, treten auf. Das Böse ist anfänglich gut versteckt. Nach etwa 20 Minuten Film kommt der erste Wendepunkt der Geschichte. Es folgen der mittlere und letzte Wendepunkt mit schwierigsten Prüfungen, oft geistig und körperlich. Der Gegenspieler wird überwunden, die Aufgabe gelöst. Bereichert kehrt der Held heim. Alles passt. Natürlich ist ein Drehbuch, der innere Faden von Film, Buch oder Theater viel komplexer und variantenreicher. Im Kern ist der Aufbau jedoch seit den alten Griechen unverändert. Das beeindruckt. 
Das Wissen um die Methode macht noch keine gute Geschichte. Die Idee muss man haben. Die eingespielte Methode hilft, diese Idee zu vermitteln: Willkommen zur Bürgerversammlung am Montag Abend!

Neu

Erster Arbeitstag. Als neuer Mitarbeiter in ein Team eintreten, ist ein besonderes Gefühl. Wo stellt man sein Auto, sein Velo ab? Im Haus knarren die Treppen unvertraut. Klopfen, klingeln? Zum Glück steht die Tür offen. Man sagt artig „Grüezi“, lässt sich vorstellen, durchs Haus führen, die Infrastruktur erklären. Alsbald brummt der Schädel. Man freundet sich mit Menschen und Umgebung an, mit Tönen und Gerüchen. Wer was mit wem und warum – und was warum nicht.

Diese Erfahrungen machen gerade Bettina Schrepfer als neue Mitarbeiterin der Gemeinderatskanzlei und Christoph Paly als neuer Bauverwalter. Und sie bringen Erfahrungen mit, sie vom Schulsekretariat, er aus einem Tiefbauunternehmen.Man muss nicht gerade den Job wechseln. In eine neue Gruppe eintreten, das sollte man jedoch stetig üben. Beispiel: Hans Meyer, der Uzwiler Bildhauer, hat mir kürzlich erzählt, wie er als Fremder zum Verein Furka-Bergstrecke kam und jetzt begeistert hilft, im Benninger Areal alte Dampfloks zu restaurieren.
Wie lange ist etwas neu? So lange es sich so anfühlt. Und das ist oft zu kurz.

Rar

Der April ist vorbei. Eigentlich hätte ich ihn schon hören müssen, den typischen Ruf mit den zwei Silben im Abstand der kleine Terz. Zum Kuckuck! Hatte ich vergebens Geld im Sack? 

Eier in fremde Nester legen finde ich zwar keine sympatische Strategie. Aber offenbar ist sie erfolgreich, sonst gäbe es den Kuckuck, diesen ‚lustigen‘ Vogel nicht. Gesehen hatte ich ihn auch früher nur selten. Seinen Ruf zum ersten Mal im Jahr zu hören, war hingegen immer ein freudiges Ereignis auf dem ungeliebten Sonntagsspaziergang. Auch Grossmutter’s Kuckucks-Uhr faszinierte.

Und weshalb ist er nicht da, kommt er nicht zur Zeit? Was heisst das für die Natur, unseren Lebensraum und für unsere Bilanzen?
Der Kuckuck ist ein lauter, auffälliger Erdenbürger. Andere fehlen leiser.

Streichen

„Lies bitte mal diesen Text!“ Also stürzt man sich auf das Dokument, aus freundschaftlichem Antrieb oder zu geschäftlichen Zwecken. Kaum beginnt man zu lesen, sprudeln die Kommentare. Hier gäbe es noch etwas zu sagen, das müsste doch auch rein. Dort würde ich umformulieren, umstellen. Man leistet seinen gedanklichen Beitrag fast euphorisch. Bis man feststellt: meine Gedanken kommen ja alle, einfach weiter hinten und in etwas anderer Form. 
Liebgewonnene Kommentare vorne wieder streichen, das ist hart. Aber gar nicht so schlecht, es gibt Sicherheit. Die Sicherheit, dass alles Wichtige gesagt ist. Und dass man gute Leute in seinem Umfeld hat. Kommentare schreiben ist schön, sie streichen auch.

Sprechstunde

Sprechstunde beim Gemeindepräsidenten, diese Idee taucht immer wieder auf. Soll ich das jetzt auch einführen? Dafür spricht signalisierte Bürgernähe, offenkundiges Zeit haben. Dagegen spricht die Erfahrung von Kollegen, die nach dem ersten Ansturm auf Bürger warten oder immer die selben Gäste in selber Sache haben. Aufhören geht auch nicht. Das würde heissen, dass man nicht gefragt ist. 

Wer will schon auf eine Sprechstunde warten? Früher sass man beim Arzt und wartete. Drum hiess das Wartzimmer auch Wartzimmer. Das ist vorbei. Heute macht man einen Termin ab. Diese Variante bevorzuge ich: «Eine Stunde zum Sprechen» statt eine «Sprechstunde».

Warten

Das war ein Eiertanz, bis das neue kantonale Planungs- und Baugesetz, kurz PBG, stand. Nun wird es am 1. Oktober 2017 in Kraft treten. Der Übergang vom alten zum neuen Recht wurde im neuen Gesetz nicht recht bedacht. Beispiel: Wenn es eine Zone nicht mehr gibt, sind dann alle Bauten dort unrechtmässig? Eigentlich könnte der Kantonsrat Klarheit schaffen. Er tut es aber nicht. Mit der Konsequenz, dass wir de facto von einem Moratorium zum nächsten schlittern.

Zuerst wegen des Bundes: Seit der Abstimmung über das eidgenössischen Raumplanungsgesetz vom 3. März 2013 herrscht Stillstand. Der Bundesrat wird den kantonalen Richtplan vielleicht im Sommer 2017 genehmigen. Das sind 4 Jahre. Jetzt drohen wegen des Kantons weitere Jahre des Stillstands. Wenn nach dem 1. Oktober 2017 auch nur 1 000 m2 umgezont werden sollen, geht das mit dem neuen PBG nur mit einer Gesamtrevision von Richtplan, Zonenplan und Baureglement. Und eine Gesamtrevision dauert auch bei wenigen Anpassungen Jahre. Dabei wollte man weniger Juristenfutter. Und warten muss man üben.