Jedem

Was haben Rosen und WC-Papier gemeinsam? Sie werden geklaut.

Jeder Hauswart eines öffentlichen Gebäudes stellt gelegentlich einen unerklärlich hohen Verbrauch an WC-Papier fest. Folge: Das WC-Papier wird in Qualität „unattraktives Schleifpapier“ beschafft oder kommt in diese unmöglichen Dispenser.

Auch Rosen in Rabatten sind ein beliebtes Ziel. Der Gärtner hat sie am Bahnhof gerade neu bepflanzt. Für gehetzte Menschen. Als Aufsteller im morgendlichen Vorbeiflug. Auch dort werden junge Pflanzen regelmässig ausgegraben und mitgenommen.

Blumen klauen und verschenken ist der Inbegriff des Kavaliersdelikts. Die Lösung wäre dann wohl die bewährte Blumenwiese. Dort kann man sich unauffälliger bedienen.

Öffentliches Gut gehört jedem, aber nicht Jedem!

Stark

Das hätte ich wahrlich nicht gedacht, dass Oberuzwil und Uzwil in einer Woche gemeinsam über 1,5 offizielle Millionen Bewegungsminuten schaffen. Ein Dankeschön dem OK mit Christine Wirth und Kathrin Germann an der Spitze.

Jonschwil hat das Gemeinde-Duell im Sammeln der Bewegungsminuten haushoch gewonnen – herzliche Gratulation! Aber nicht nur das: die starke Konkurrentin Jonschwil war auch Ansporn. Deshalb haben das vereinigte Oberuzwil und Uzwil im nationalen Wettbewerb den 1. Platz in ihrer Kategorie geschafft.

Ein fitter Nachbar ist eben der beste Sparring-Partner.

Dampf

Wer mehr Energie hat, gewinnt. Entweder mit schierer Masse oder mit Köpfchen.

In Uzwil haben wir beides. Aktuelles Anschauungsbeispiel ist die HG 4/4, die Dampflok des Vereins Furka-Bergstrecke. Sie vereint Masse und Köpfchen, ist sicht- und erlebbare Ingenieurs- und Handwerkskunst ihrer Zeit. Für ihre stolze ästhetische Konstruktion brauchten die Erbauer damals wenig Papier. Sie wussten, wie. Dieses „Wie“ füllt heute reihenweise Ordner.

Nach bewegter Lebensgeschichte in Fernost wurde die Dampflok von erfahrenen Experten in Benninger’s Fabrikhallen liebevoll und detailgetreu für die anspruchsvolle Bergstrecke hergerichtet – zu sehen am Samstag.

Wir leben vorwärts. Manchmal inspirieren alte Lösungen für moderne Fragen.

‚Dampf haben‘ macht immer Freude.

Aufhören

Ein Bauvorhaben in der Nachbarschaft, eine Tempo 30 Zone, Krippenplätze, die Augartenkreuzung oder das Gemeinschaftsgrab: es werden Unterschriften gesammelt.

Mein Anliegen: Regeln Sie die Kompetenzen. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner sollen Jemanden ermächtigen, Verhandlungen zu führen. Dieser Jemand soll die Eingabe anpassen, vielleicht ergänzen oder sie zurückzuziehen können, besonders auch bei Sammel-Einsprachen.

Ein „Geschäft“ kann sich im Lauf der Zeit verändern. Vielleicht gibt es Lösungsvorschläge oder eine erste Instanz entscheidet. Und wenn jetzt 3/4 des Ziels erreicht ist? Sind Sie einverstanden, obwohl die Lösung nicht für alle Mitunterzeichner passt? Wer trägt die Kosten, wenn man weiter geht? Oft sind die inneren Motive von Mitunterzeichnern unterschiedlich oder gar widersprüchlich.

Das Konfliktpotenzial in diesen und ähnlichen Fragen möchte ich gern vermieden haben. Der nachbarliche Frieden ist mir wichtig. Drum mein Anliegen.

Hans Locher, ehemaliger Schulpräsidenten von Kirchberg, formulierte es einmal so: „Überlege stets, wie fange ich an, und wie höre ich auf!“

Übertreffen

„Wollen Sie, der hier anwesende Viktor mit der hier anwesenden Vroni den Bund der Ehe schliessen?“ „Ja.“ „Und Sie, Vroni, möchten Sie mit dem hier anwesenden Viktor den Bund der Ehe schliessen?“ „Ja.“ „Dann erkläre ich Sie als Mann und Frau – Sie dürfen die Braut küssen!“

Für einmal führte Zivilstandsbeamtin Denise Himmelberger dieses Ritual ohne Papiere und lange Vorbereitung durch. Sie bestimmte ad hoc zwei Trauzeugen und erfüllte Viktor und Vronis Wunsch, nach 50 Ehejahren eben noch einmal zu heiraten, am Tag der offenen Tür sofort. Anlass war das Stickereizimmer im neuen Gemeindehaus. Der besondere Raum hatte es den beiden älteren Semestern angetan und sorgte für Frühlingsgefühle.

Etwas Neues besichtigen und das „Alte“ schätzen. Kann man das übertreffen?

Werkzeug

Der Mensch unterscheidet sich vom Affen unter anderem dadurch, dass er Werkzeuge nach Gebrauch nicht fallen lässt und weiter geht. Der Homo errectus begann vor mehreren hunderttausend Jahren, Werkzeuge zu pflegen – ein Meilenstein in der sozialen Entwicklung. 100 000 Jahre sind über 3 000 Generationen. Wie viel mündlich überliefertes Wissen muss verloren gegangen sein?

Das Werkzeug ist das eine. Aber damit umgehen können! Wie geht das genau? Welches Material, welche Hilfsmittel, welche Reihenfolge? Je vernetzter die Welt, desto höher das Niveau. Werkzeuge werden immer ausgeklügelter. Sie machen komplexe Aufgaben lösbar und transportierbar.

Der Meister, der sein Metier beherrscht, kennt die Kniffe und die heiklen Schritte, vor allem entwickelt er seine Werkzeuge weiter, leidenschaftlich. Ob jemand Spitze ist, hängt massgeblich davon ab, ob er auch das (Werk-) Zeug dazu hat. Und es nicht fallen lässt und weiter geht.

PS: Gilt auch für reife Unternehmen

Chinesisch

Chinesisch lernen braucht einen Chinesen. Videos und CD’s seien ineffektiv, sagt eine Studie. Man hatte Kinder im Alter von 9 bis 12 Monaten „getestet“. Ergebnis: Sprache lernen braucht Beziehung.

Spracherwerb, ein Thema das auch die Gemeinde beschäftigt. Nicht erst, seit das Bundesgericht entschieden hat, dass Rickenbach TG keine Elternbeiträge für Nachhilfe in Deutsch einziehen darf.

Auch hier kommt es vor, dass Eltern aus einem anderen Kulturkreis zwar perfekt deutsch reden, ihre Kinder jedoch ohne ein Wort Deutsch eingeschult werden. Nebenbei: Uzwil berücksichtigt dieses Verhalten in Einbürgerungsverfahren. Es ist zwar nicht verboten, aber schlecht. Zahlreiche Kinder holen den Rückstand nicht mehr auf. Die Absicht der Eltern ist wohl kaum schlecht, aber ihre eigene Schulerfahrung vor 25 Jahren passt nicht mehr. Ihre Kinder gehen ein Jahr früher zur Schule und sie haben Frühfranzösisch und Frühenglisch.

Am Schluss ist alles chinesisch.

Enttäuscht ?

Es gibt viele Helferinnen und Helfer, die im Hintergrund uneigennützig Gutes tun. Oder Leute, die einen Anlass bereichern, unzählige Stunden dafür geübt und trainiert haben. Und dann bleibt der Dank aus.

Gerade jüngst hatte ich zwei Kontakte, die mir einmal mehr bewusst machten, wie schmerzhaft das sein kann. Natürlich hätte man das sehen können. Schliesslich, so die Grundannahme, weiss die Gemeinde ja alles.

Wiedergutmachung, den verpassten Dank nachholen? Kann man das? So ein Gedanke kreist im Kopf. Und was ist mit all den anderen Menschen, die man zur gleichen Zeit auch übersehen hat? Eingangs habe ich bewusst darauf verzichtet aufzuzählen, weil jede Liste zu kurz wäre. Also, geschätzte Einwohnerinnen und Einwohner, ich versuche das im Moment gut zu machen, und Sie helfen bitte, die vielen Lücken zu schliessen. Auf dass jede und jeder das bekommt, was sie und er verdienen: Dank(e)!

Baum

„Dieser Baum steht bei Peter Künzle in der Rifenau!“ überrascht mich Wisi Schilliger zielsicher, als ich den Oberuzwiler Landwirt am Morgen im Eingang des Gemeindehauses treffe. Der Blick des Kenners identifiziert den Apfelbaum präzis, derweil ich die Fotografie ’nur‘ schön finde. So wie alle Bäume in voller Blüte schön sind. Bis zur Blüte dauert es zwar noch zwei Monate. Die Fotografie macht jedoch Vorfreude. Und sie wiederum ist nur möglich, dank Menschen, die Bäume pflanzen und jenen, die sie pflegen.

Bäume kenne er wie andere Autos – Wisi Schilliger ist kantonaler Experte und gibt Kurse. Ob der Schnitt auch etwas über den Charakter verrät? Grenzen setzen, für Balance sorgen, den Zugang zum Licht steuern, Tragkraft stärken, Sinn fürs Leben und fürs Schöne haben. Bis ich meine Gedanken sortiert habe, dauert es zu lange.

Jedenfalls muss es gut sein fürs Gemüt, sich intensiv mit Obstbäumen zu befassen – der lebende Beweis, Wisi Schilliger, lacht, packt seine zwei Kistchen unter den Arm und geht. So soll jeder Tag beginnen. Mit einer guten Begegnung.

Hans

Wenn sich an einer Abstimmung über 50 % der Stimmberechtigten beteiligen und über 80 % Ja sagen, dann ist das ein eindeutiges Ergebnis. Was mich besonders an der Zustimmung zur Erweiterung des Seniorenzentrums freut: Es müssen viele junge Leute «Ja» gesagt haben. Deshalb ist es ein schönes Beispiel dafür, dass eben doch nicht nur jeder an sich denkt.

Diesen Glauben könnte man gelegentlich verlieren, wenn man Online-Kommentare liest oder politischen Diskussionen im Fernsehen folgt. Jüngst machte ein Journalist die Probe aufs Exempel und telefonierte mehreren Menschen, die heftige und herablassende Kommentare hinterliessen. Mit dem erstaunlichen Ergebnis. Diese Menschen waren im Kontakt 1:1 anständig, fast nett.

Ein giftiger Text ist im Schutz des stillen Kämmerleins schnell geschrieben und unter seinesgleichen auch schnell gesagt. Sich der Diskussion direkt stellen, auch den lokalen politischen Themen, das ist was anderes. Ich bin gespannt, ob die Idee des Jugendgemeinderats zum Fliegen kommt – für den Fall, dass der Satz «Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr» doch zutreffen sollte.