Werkzeug

Der Mensch unterscheidet sich vom Affen unter anderem dadurch, dass er Werkzeuge nach Gebrauch nicht fallen lässt und weiter geht. Der Homo errectus begann vor mehreren hunderttausend Jahren, Werkzeuge zu pflegen – ein Meilenstein in der sozialen Entwicklung. 100 000 Jahre sind über 3 000 Generationen. Wie viel mündlich überliefertes Wissen muss verloren gegangen sein?

Das Werkzeug ist das eine. Aber damit umgehen können! Wie geht das genau? Welches Material, welche Hilfsmittel, welche Reihenfolge? Je vernetzter die Welt, desto höher das Niveau. Werkzeuge werden immer ausgeklügelter. Sie machen komplexe Aufgaben lösbar und transportierbar.

Der Meister, der sein Metier beherrscht, kennt die Kniffe und die heiklen Schritte, vor allem entwickelt er seine Werkzeuge weiter, leidenschaftlich. Ob jemand Spitze ist, hängt massgeblich davon ab, ob er auch das (Werk-) Zeug dazu hat. Und es nicht fallen lässt und weiter geht.

PS: Gilt auch für reife Unternehmen

Chinesisch

Chinesisch lernen braucht einen Chinesen. Videos und CD’s seien ineffektiv, sagt eine Studie. Man hatte Kinder im Alter von 9 bis 12 Monaten „getestet“. Ergebnis: Sprache lernen braucht Beziehung.

Spracherwerb, ein Thema das auch die Gemeinde beschäftigt. Nicht erst, seit das Bundesgericht entschieden hat, dass Rickenbach TG keine Elternbeiträge für Nachhilfe in Deutsch einziehen darf.

Auch hier kommt es vor, dass Eltern aus einem anderen Kulturkreis zwar perfekt deutsch reden, ihre Kinder jedoch ohne ein Wort Deutsch eingeschult werden. Nebenbei: Uzwil berücksichtigt dieses Verhalten in Einbürgerungsverfahren. Es ist zwar nicht verboten, aber schlecht. Zahlreiche Kinder holen den Rückstand nicht mehr auf. Die Absicht der Eltern ist wohl kaum schlecht, aber ihre eigene Schulerfahrung vor 25 Jahren passt nicht mehr. Ihre Kinder gehen ein Jahr früher zur Schule und sie haben Frühfranzösisch und Frühenglisch.

Am Schluss ist alles chinesisch.

Enttäuscht ?

Es gibt viele Helferinnen und Helfer, die im Hintergrund uneigennützig Gutes tun. Oder Leute, die einen Anlass bereichern, unzählige Stunden dafür geübt und trainiert haben. Und dann bleibt der Dank aus.

Gerade jüngst hatte ich zwei Kontakte, die mir einmal mehr bewusst machten, wie schmerzhaft das sein kann. Natürlich hätte man das sehen können. Schliesslich, so die Grundannahme, weiss die Gemeinde ja alles.

Wiedergutmachung, den verpassten Dank nachholen? Kann man das? So ein Gedanke kreist im Kopf. Und was ist mit all den anderen Menschen, die man zur gleichen Zeit auch übersehen hat? Eingangs habe ich bewusst darauf verzichtet aufzuzählen, weil jede Liste zu kurz wäre. Also, geschätzte Einwohnerinnen und Einwohner, ich versuche das im Moment gut zu machen, und Sie helfen bitte, die vielen Lücken zu schliessen. Auf dass jede und jeder das bekommt, was sie und er verdienen: Dank(e)!

Baum

„Dieser Baum steht bei Peter Künzle in der Rifenau!“ überrascht mich Wisi Schilliger zielsicher, als ich den Oberuzwiler Landwirt am Morgen im Eingang des Gemeindehauses treffe. Der Blick des Kenners identifiziert den Apfelbaum präzis, derweil ich die Fotografie ’nur‘ schön finde. So wie alle Bäume in voller Blüte schön sind. Bis zur Blüte dauert es zwar noch zwei Monate. Die Fotografie macht jedoch Vorfreude. Und sie wiederum ist nur möglich, dank Menschen, die Bäume pflanzen und jenen, die sie pflegen.

Bäume kenne er wie andere Autos – Wisi Schilliger ist kantonaler Experte und gibt Kurse. Ob der Schnitt auch etwas über den Charakter verrät? Grenzen setzen, für Balance sorgen, den Zugang zum Licht steuern, Tragkraft stärken, Sinn fürs Leben und fürs Schöne haben. Bis ich meine Gedanken sortiert habe, dauert es zu lange.

Jedenfalls muss es gut sein fürs Gemüt, sich intensiv mit Obstbäumen zu befassen – der lebende Beweis, Wisi Schilliger, lacht, packt seine zwei Kistchen unter den Arm und geht. So soll jeder Tag beginnen. Mit einer guten Begegnung.

Hans

Wenn sich an einer Abstimmung über 50 % der Stimmberechtigten beteiligen und über 80 % Ja sagen, dann ist das ein eindeutiges Ergebnis. Was mich besonders an der Zustimmung zur Erweiterung des Seniorenzentrums freut: Es müssen viele junge Leute «Ja» gesagt haben. Deshalb ist es ein schönes Beispiel dafür, dass eben doch nicht nur jeder an sich denkt.

Diesen Glauben könnte man gelegentlich verlieren, wenn man Online-Kommentare liest oder politischen Diskussionen im Fernsehen folgt. Jüngst machte ein Journalist die Probe aufs Exempel und telefonierte mehreren Menschen, die heftige und herablassende Kommentare hinterliessen. Mit dem erstaunlichen Ergebnis. Diese Menschen waren im Kontakt 1:1 anständig, fast nett.

Ein giftiger Text ist im Schutz des stillen Kämmerleins schnell geschrieben und unter seinesgleichen auch schnell gesagt. Sich der Diskussion direkt stellen, auch den lokalen politischen Themen, das ist was anderes. Ich bin gespannt, ob die Idee des Jugendgemeinderats zum Fliegen kommt – für den Fall, dass der Satz «Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr» doch zutreffen sollte.

Zeitung

Das Tagblatt kritisierte jüngst die Mitteilungsblätter der Gemeinden. Sie würden den Zeitungen das Wasser abgraben. Mumpitz!

Früher nahm die Zeitungsredaktion die selben Texte, die heute in Mitteilungsblättern stehen, von den Gemeindekanzleien per Mail entgegen, setzte einen Titel, machte vielleicht ein Bild, kürzte auf den verfügbaren Platz und fertig. Regelmässige (!) journalistische Auseinandersetzung mit lokalen und regionalen Themen ist selten geworden – leider! Das wird auch von der Bürgerschaft bedauert.

Die Gemeinden der Region Fürstenland suchten vor rund 4 Jahren das Gespräch mit der Chefetage des Tagblatts, wollten Lösungen diskutieren. Ergebnislos, obwohl es Vorschläge gab – und es lag nicht an den Gemeinden.

Die Gemeinden wissen um die Grenzen des amtlichen Publikationsorgans. Dieses kann keine Zeitung sein – es ist Information. Eine Zeitung braucht eine Redaktion, die Themen setzt, für Qualität in Inhalt und Sprache sorgt, Leserbriefe kürzt oder ablehnt. Eine Zeit braucht Journalisten, die vertiefen, erklären, nachfassen, befragen und bewerten. Das kann eine Gemeinde nicht. Aber wir hätten das gern. Mal sehen, was morgen in der Zeitung steht.

PS: Vielleicht müsste die Chefredaktion den lokalen Journalisten etwas mehr Raum geben und die Leser der Redaktion ein Feedback?

http://m.wiler-nachrichten.ch/wil-region/detail/article/die-medienkritiker-im-gemeindehaus-0061055/

Abschluss

Das Wort ‚Abschluss‘ vermittelt den Eindruck, dass etwas fertig sei. Dabei: während die Gemeinden landauf landab von ihren guten Steuerabschlüssen berichten, kommt schon wieder Papier ins Haus, die nächste Steuererklärung, die provisorische Rechnung fürs 2018. Ärgerlich für alle, abgeschlossen ist das nie. Egal, wie viel man an Steuern bezahlen muss, jeder Franken ist gefühlt zu viel. Weil man ihn ins Verhältnis zu dem setzt, von dem man glaubt, was andere zahlen müssen und nicht zum eigenen Einkommen. Noch schwieriger ist es mit der Gegenleistung. Sie ist in ihrer Gesamtheit und mit ihren Wechselbeziehungen kaum zu erfassen. Und interessanterweise ist vielen Menschen, die in absoluten Zahlen viel an Steuern zahlen müssen, der solidarische Gedanke dahinter sehr klar. Danke sagen für den ehrlichen Beitrag zur Gemeinschaft, das tue ich namens des Gemeinderats Allen!

Vorbild

„Wenn ich einmal … bin, dann werde ich …!“ In diesen Lückentext könnte man sich als Vater mit seinen Erziehungsideen setzen. Oder als Autofahrer, dessen Karriere im Verkehr zu Ende geht. Oder als Herz-/Kreislaufpatient, der gesünder essen und Bewegung gelobt. Oder als Lottogewinner mit caritativen Absichten. Oder als Chef, der Zeit hat, wenn er keine hat.

Ich finde es wichtig, eine Vorstellung zu haben, wie man es machen würde. Auch wenn man Gefahr läuft, dass man vom Umfeld an seine hehren Absichten erinnert wird. Wer sich festlegt, ist angreifbar und wer es nie tut, ist wohl bedeutungslos.

Das Scheitern am eigenen Idealbild senkt die Ansprüche gegenüber den Mitmenschen und macht vorsichtig – das Umfeld dankt.

Es ist nicht einfach, gegen Vorbilder anzukämpfen und noch schwieriger eins zu sein. Was die Sache jedoch entspannt: jeder ist ein Vorbild, auch der, der dem anderen vorwirft, keins zu sein.

Thuri Montibeller, pensionierter Mitarbeiter unseres Werkhofs und lebensfroher Zeitgenosse, meinte kürzlich: „Man lernt nur, wenn es einem nahe geht!“

Schlüssel

Dies ist die erste Ausgabe des Uzwiler Blatts im Neuen Jahr, erste Gelegenheit also, Ihnen auf diesem Weg alles Gute, Glück und Gesundheit zu wünschen. Auf dass Sie den Schlüssel finden. Ihren Schlüssel, den richtigen Schlüssel, wozu auch immer. Oft hat man ihn ja selbst in der Hand. Und verlegt ihn, allen guten Vorsätzen zum Trotz.

Welches der richtige Schlüssel ist? Das kommt auf das Schloss an. Ein Schloss ist ja gerade dazu da, Menschen aufzuhalten: jene, die man fernhalten will und jene, die den Schlüssel suchen. Mehr kann es nicht. Ein Schloss stiftet damit vor allem Bedenkzeit. Diesen Nutzen erkennt man freilich kaum, wenn der Adrenalinspiegel hoch ist.

Suchzeit ist keine Denkzeit. Drum ist es sinnvoll, sich in einer Zeit der relativen Ruhe zu überlegen, zu welchem Schloss man gern einen Schlüssel hätte, wo man ihn deponiert und wem man ihn gibt.

Kurt Marti, Heimleiter des Seniorenzentrums, meinte kürzlich: „Weshalb nur findet man den Schlüssel immer dort, wo man ihn ‚zletzt suecht‘?“

Vielleicht liegt es am Schloss?

Treppe

Die Holz-Treppe im alten Gemeindehaus knarrte und ächzte auf besondere Weise. Sie meldete automatisch, wer im Haus war. Ihre Tritthöhe war jenseits der Norm, zum Stolpern klein – eine zusätzliche Herausforderung, wenn man nachts zu faul für den Weg zum Lichtschalter war. Die Treppe war Verkehrsweg und Treffpunkt. Man konnte auf ihr rauf und runter rasen und wusste, an welchen Staketen man sich in der Kurve festhalten konnte und welche lose waren. Früher sei man sogar auf dem Geländer runtergerutscht und es habe Wettbewerbe gegeben, wer mehr Stufen runterspringen könne. Aber das sind Anekdoten.

Es gibt viele Dinge, die wir jeden Tag benützen, ohne viel darüber nachzudenken. Und es gibt Menschen, deren ächzen und knarren wir kennen, ohne es wahrzunehmen. Die ausser der Norm sind und doch vertraut. Wo wir zu faul sein können, vorbeirasen dürfen oder ausgelassen sein. Wo wir drei Stufen nehmen können oder auch anhalten, durchschnaufen.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Weihnachtszeit und viele schöne Erlebnisse mit Ihrer eigenen Treppe.